Lars Stindl und die Borussen werfen die Flinte noch nicht ins Korn. Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de
»Wir glauben daran, dass wir es schaffen können«
Noch ist nicht aller Tage Abend...
Geschrieben von Andreas Plum & Marc Schöne | 17.02.2017 - 16:02 Uhr

Eine vermeidbare und unnötige Niederlage kassierte Borussia Mönchengladbach in der Europa League gegen den AC Florenz. Dabei hätte die Partie zur Pause bereits zugunsten der Borussen entschieden sein müssen. Dennoch zeigten sich die Borussen nach dem 0:1 in Bezug auf ein Weiterkommen zuversichtlich.

„An Tagen wie diesen“, lautet ein berühmter Songtext der Band ‚Toten Hosen’. Übertragen auf die Borussen, ging an diesem Europapokal-Tag(-abend) gerade in Bezug auf die Chancenverwertung nichts. Die Borussen hätten wohl noch eine weitere Stunde aufs Tor schießen können – sie hätten es nicht getroffen. Stattdessen brachte Frederico Bernardeschi die Fiorentina mit einem Sonntagsschuss am Donnerstagabend kurz vor der Pause auf die Siegerstraße. Es war der bis dahin erste Torschuss überhaupt.

Dabei hatten die Borussen hochkarätige Chancen en masse, um sich für ihr starkes Auftreten gegen die Gäste aus der Toskana zu belohnen und in eine für das Rückspiel mehr als aussichtsreiche Position zu bringen. »Wenn man sich gegen eine Mannschaft wie Florenz sieben, acht hochkarätige Torchancen erspielt, hat man vieles richtig gemacht. Die Effizienz hat jedoch heute leider gefehlt«, haderte Dieter Hecking.

»Das Einzige, das wir uns heute vorwerfen lassen müssen, ist, dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben«, stimmte Lars Stindl zu. »Wir haben uns zahlreiche Tormöglichkeiten erspielt und hätten schon vor dem 0:1 in Führung gehen müssen«.

Und dann gab’s da noch einen nicht gegebenen Strafstoß, der die Partie aus Sicht der Borussen wohlmöglich genau in die richtige Richtung gelenkt hätte. Für mich war das ein klarer Elfmeter. »Ich komme zwar an den Ball, werde aber trotzdem dann noch voll abgeräumt«, erinnerte sich Patrick Herrmann an die Szene. Und nur weil man zum Torabschluss kommt, heißt das ja nicht, dass man von hinten weggegrätscht werden darf. Zum Glück habe ich mich bei der Aktion nicht verletzt«. 

Die altbekannte Fußballweisheit...

Die Borussen spielten eine tolle erste Halbzeit und hätten eigentlich schon fast uneinholbar in Führung liegen müssen. Doch stattdessen mussten sie kurz vor der Pause das Tor des Tages fressen. Geburtstagskind Bernadeschi zirkelte einen direkt verwandelten Freistoß unhaltbar für Yann Sommer genau ins Kreuzeck. »Es ist ärgerlich, dass wir durch so ein Freistoßtor ins Hintertreffen geraten sind«, sagte Stindl und Sommer fügte an: »Wie es dann so oft ist, kommt der Gegner einmal vors Tor und nutzt die Chance gleich eiskalt aus«.

»Wir haben fußballerisch ein richtig gutes Spiel gemacht, sind gut in die Partie gekommen und haben uns viele Chancen erarbeitet, aber leider kein Tor gemacht«, so der Flügelflitzer. »Wie es im Fußball dann oft ist, rächt sich das und so ein Sonntagsschuss des Gegners geht dann eben rein«.

Weiter alles in die Waagschale geworfen

Kurz vor der Pause gerade mit Blick in die Köpfe ein denkbar ungünstiger Rückstand, nach dem die Borussen aber alles andere als geknickt aus der Kabine kamen. Im Gegenteil. »Dennoch sind wir motiviert aus der Pause gekommen, haben das Spiel weiter angetrieben«, sagte Stindl.

In der Tat. Doch mit zunehmender Spieldauer taten sich die Borussen schwerer, gegen die nun noch tiefer stehenden Italiener zum Abschluss zu kommen. »Der Mannschaft kann man keinen Vorwurf machen, sie hat alles in die Waagschale geworfen«, sagte Max Eberl. »Florenz hat in der zweiten Halbzeit abgezockter gespielt, hat uns laufen lassen«.

»Florenz hat sich dann aber sehr weit zurückgezogen. Da ist es dann auch schwierig, die nötigen Räume zu finden. Das muss man ganz klar sagen«, ergänzte Herrmann. »Wir hätten das Spiel in der ersten Halbzeit schon in die richtige Bahn lenken müssen«.

Noch ist nicht aller Tage Abend...

Doch es kam eben anders und die Borussen mussten den Platz nach trotz starker Leistung und Überlegenheit als Verlierer den Platz verlassen. Zwar ist die Ausgangsposition für das Rückspiel nun nicht mehr allzu rosig, doch noch ist nicht aller Tage Abend. Alle im VfL-Lager waren sich hinterher einig, dass das 0:1 im Rückspiel noch umzubiegen ist und werfen richtigerweise nicht schon die Flinte ins Korn und sagt im übertragenen Sinne das Rückspiel ab. Wieso sollen wir nicht auswärts ein Tor schießen? Oder zwei? »Wir ärgern uns, weil wir das Spiel verdient hätten gewinnen können«, sagte Eberl. »Nun müssen wir aber versuchen, das Spiel in der zweiten Halbzeit in Florenz noch zu drehen«.

Und das ist durchaus möglich. Zumal die Vorstellung auch Anlass und Zuversicht geben. »Das 0:1 fühlt sich noch nicht wie eine Niederlage an, da es noch das Rückspiel gibt«, resümierte Hecking. »Die Leistung heute gibt uns viel Hoffnung, dass wir das Ergebnis im Rückspiel noch drehen können«.

»Die Niederlage ist sehr ärgerlich. Wir sind aber überzeugt davon, dass wir es schaffen, in Florenz zwei Tore zu erzielen und dennoch weiter zu kommen«, so Sommer. »Wir haben heute ein wirklich gutes Spiel gemacht, daher sind wir positiv gestimmt. Es wird nicht einfach auswärts in Florenz, aber wir glauben daran, dass wir es schaffen können«. 

»Wenn wir in Florenz genauso auftreten und dann noch das Tor treffen, haben wir gute Möglichkeiten eine Runde weiter zu kommen. Wir müssen nur daran glauben, dann packen wir das auch«, sagte Josip Drmić.

»Wir lassen den Kopf nicht hängen. Ich bin trotzdem positiv gestimmt für das Rückspiel. Wenn wir noch einmal so eine Leistung zeigen und diesmal unsere Tore machen, haben wir auch definitiv Chancen, noch weiterzukommen«, strahlte auch Herrmann Optimismus aus. »Wenn wir dort in Führung gehen, ist es wieder ausgeglichen. Es wird natürlich schwierig, aber wir werden noch einmal alles geben«.

Zunächst aber gilt »gut regenerieren, viel schlafen, ein bisschen in die Eistonne und vor allem den Kopf freibekommen«, wie Herrmann sagte. Denn bereits am Sonntag kommt mit RB Leipzig ein starker Aufsteiger in den Borussia-Park. Es wird ein sehr schwieriges Spiel«, prophezeite Herrmann. »RB hat eine sehr gute Mannschaft, die nicht umsonst so weit oben steht. Sie verteidigen gut und haben in der Offensive einige schnelle Leute. Wir müssen dagegenhalten, viel laufen und selber gut verteidigen. Wir sind in diesem Jahr bislang gut drauf und wollen an diese guten Leistungen anknüpfen«.

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